„Wir wollen miteinander diskutieren“

„Wo kann man über die uns bedrängenden politischen Probleme ungebunden miteinander diskutieren? “ Mit dieser Frage begann der monatliche LGPZ-Stammtisch zu Beginn des neuen Jahres. Einige der diesmal „neuen“ Teilnehmenden schilderten ihre Suche danach. Rolf Eickmeier, stellvertretender LGPZ-Vorsitzender, erinnerte daran, dass die LGPZ seit inzwischen 35 Jahren immer auch aus verschiedenen Blickwinkeln einen „Blick hinter die Kulissen der Politik“ suche.

Schnell war das Gespräch bei der Suche nach politischen Konzepten zur Beendigung, wenigstens aber nach der Unterbrechung des fürchterlichen Krieges in der Folge des russischen Überfalls auf die Ukraine. Es sei deprimierend, dass verantwortliche Politikerinnen und Politiker mit immer mehr und immer tödlicheren Waffen den Krieg „gewinnen“ wollten. Für diese einseitige militärische Logik müssten huntertausende ukrainische – und auch russische -Menschen ihr Leben lassen. Die Ukraine werde zudem in weiten Teilen zerstört. Politik müsse Wege finden, diese tödliche Dynamik zu bremsen oder zu stoppen.

In der Diskussion wurde oft Bezug genommen auf die Stellungnahme des lippischen Bundestagsabgeordneten Jürgen Berghahn (SPD), der keine Chancen auf Verhandlungen sieht, und auf die diplomatische Konzeption des ehemaligen Bundeswehr- und NATO-Generals Kujat, der mit anderen namhaften Fachleuten zusammen eine politische Lösung entwickelt hat. Sehr befremdlich fanden alle, dass dieser Vorschlag von der verantwortlichen Politik und den großen Medien bisher kaum beachtet wurde.

Auch deshalb hat die LGPZ diese Texte hier auf der Internet-Plattform veröffentlicht und zur Diskussion darüber aufgefordert. An diesem Abend geschah das mit großer Betroffenheit und großem Engagement. Diese Diskussion sollte unbedingt mit weiteren Nachfragen und vielfältigen Informationsquellen weitergehen.

Wir verweisen deshalb noch einmal auf folgende anregende Texte:

Es lag übrigens an diesem Abend nahe, sich wieder genauer an eine Politikwende zu erinnern, die von der zunehmenden militärischen Bedrohung zwischen Ost und West in Zeiten des „Kalten Krieges“ zu einer von Deutschland initiierten Friedenspolitik führte. Dadurch wurde eine Aussöhnung mit den östlichen Nachbarn möglich und vor allem auch rüstungsbegrenzende Sicherheitsabkommen mit der damaligen Sowjetunion. Es kann eigentlich nicht vergessen werden, dass diese „Friedenspolitik“ zur Auflösung des östlichen Militärbündnisses „Warschauer Pakt“ führte und letztlich auch zu der deutschen Vereinigung.

Diese Politik, die wesentlich mit dem Namen Willy Brandts verbunden ist, stieß damals in weiten Teilen der deutschen Politik auf erbitterten Widerstand. Man könne doch mit den Kommunisten in der Sowjetunion nicht verhandeln, hieß es. Politische Gegner nannten diese Politik einen „Verrat“ an Deutschland. Allerdings gab es aktive und öffentlich äußerst aktive Gruppen vornehmlich junger Leute, aber auch namhafte Menschen und Gruppen in der Zivilbevölkerung – einschließlich namhafter Künstlerinnen und Künstler -, die sich für die Friedenspolitik einsetzten. „Diese Erinnerung müssten wir wieder aufleben lassen“, wünschte sich Rolf Eickmeier.

Liebe Leserinnen und Leser, Sie wissen ja, im Anschluss eines jeden Textes hier auf der Internetseite der „Lippischen Gesellschaft für Politik und Zeitgeschichte“ können Sie ein Kommentarfeld aufrufen und uns Ihre Meinungen und Vorschläge zuschicken.

 

 

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Ein Gedanke zu “„Wir wollen miteinander diskutieren“

  1. Carmen Lente-Lorenzen

    Liebe Freunde der Lippischen Gesellschaft…,
    auf dem Januartreffen der Lippischen Gesellschaft haben wir interessante und anregende Gespräche über den Ukrainekrieg und andere politische Themen geführt.
    Spannend war die Diskussion auch, weil drei Mitglieder, aber auch vier „Neue“ gekommen waren, die einen offenen Meinungsaustausch suchten.
    Als Anregung zur Fortführung dieser Gesprächsrunde auf der Grundlage von Hintergrundinformationen, die bis jetzt noch nicht so sehr verbreitet sind, möchte ich gern ein paar sehr interessante, vielleicht überraschende Hinweise geben:
    NachDenkSeiten, die kritische Website (https://www.nachdenkseiten.de ) –-> Suchfunktion aufrufen, ==> unter „Ukraine“ z.B.:
    * Oppositions-)Stimmen aus der Ukraine: Maxim Goldarb:“ Welche europäischen Werte „verteidigt“ eigentlich Selenskyj?“
    * Buchvorstellung von Patrik Baab: „Auf beiden Seiten der Front. Meine Reise in die Ukraine“
    Hier wird auch zu Gesprächskreisen mit dem Autor angeregt. Eine Option für die Lippische Gesellschaft…?

    Aktuelles Interview mit Harald Kujat, ein halbes Jahr nach seiner Friedensinitiative – nach der nicht erfolgreichen ukrainischen Offensive,
    den Problemen mit der militärischen Aufrüstung, dem Nachschubproblem an Soldaten… – berichtet er von einem Treffen der Oberbefehlshaber der ukrainischen und der russischen Armee…

    – unter youtube kann man viele interessante Vorträge hören, besonders empfehle ich
    * Michael Lüders, ein ganz hervorragender Analysist mit Hintergrundinformationen zum Ukrainekrieg, Vorgeschichte, Interessen der verschiedenen Beteiligten u.v.a.m.
    * Daniele Ganzer, Friedensforscher und Historiker aus der Schweiz mit sehr guten Argumenten für eine Friedensinitiative
    – eine Lektüreempfehlung mit einem vielleicht auf den ersten Blick irritierenden Titel
    * Benjamin Abelow: Wie der Westen den Krieg in die Ukraine brachte- Die Rolle der USA und der NATO im Ukraine-Konflikt
    Erstaunlicherweise hervorragend rezensiert von namhaften ehemaligen US Politikern, Militärs, Professoren…

    Ich freue mich auf eine anregende Diskussion.
    Carmen Lente-Lorenzen

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