Dr. Attig: Vorrang für erneuerbare Energien

Dr. Dieter Attig befürchtete, durch seinen Vortrag “Entfesselt die erneuerbaren Energien” das Publikum im KastanienHaus am Wall um den Schlaf zu bringen. Zu beängstigend war die Analyse des gegenwärtigen weltweiten Ressourcenverbrauchs und des steigenden CO 2-Ausstoßes bei zunehmender Welt-Bevölkerungszahl. Das Ziel des Pariser Abkommens, zum Schutz des gegenwärtigen Zustands des Klimas die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu beschränken, sei nicht mehr einzuhalten. Realistisch seien 3 Grad, manche befürchteten bis 2040 sogar 4 Grad. Das allerdings bedeute, dass große Teile der Erde, Afrika nahezu vollständig, Süd- und Nordamerika, große Teile Asiens, verdorrt und damit unbewohnbar werden würden. Um diese Katastrophe zu verhindern, müssten schnellstmöglich alle Kräfte zur Nutzung regenerativer Energien mobilisiert werden. Noch sei ein Umschwung möglich.

Sonnen- und Windenergie könnten im Großen und im Kleinen intensiv nutzbar gemacht werden, ergänzt durch Geothermie und Wasserkraft. Dafür müssten gesetzliche Einschränkungen aufgehoben und eindeutige Prioritäten gesetzt werden, durch die dann natürlich alte Gewohnheiten verändert werden müssten. Regenerative Energieerzeugung müsse Priorität bekommen, andere wichtige Wünsche und Interessen müssten sich nachrangig darauf einstellen.

Schon jetzt sei großen Energiekonzernen klar, dass mit regenerativer Energieerzeugung viel Geld verdient werden könne. Moderne Energietechnologien würden den Industriestandort Deutschland – einschließlich vorteilhafter Exportchancen – in weiten Teilen erhalten und erneuern können. Die enormen Schäden der Volkswirtschaft durch Extrem- und Unwetterschäden könnten verringert werden.

Es gebe keine wirkliche Alternative zum schnellen Umsteuern. Dies müsse europa- und bundesweit durch politische Mehrheiten vorangetrieben werden. Es müsse aber vor Ort durch eine Vielzahl einzelner Maßnahmen beschleunigt werden. Es komme auf die Überzeugung und Tatkraft aller Bürgerinnen und Bürger an. Wenn zum Beispiel vor Ort Windenergieanlagen mit Bürgerbeteiligung aufgebaut würden, sei diese Beteiligung sichtbar und erlebbar. Dr. Attig erinnerte an eine der ersten Beteiligungsprojekte in Lemgo durch die Windanlage auf dem Wiembecker Berg vor nahezu 40 Jahren.

Dieser Gedanke werde wieder aufgenommen mit der genossenschaftlichen Umweltinitiative Lemgo/Lippe eG. Anteile ab 250,- Euro können erworben werden. Mit dem ersten Kapital werde eine Beteiligung am Bau des Windrades in Dörentrup finanziert. Es seien eine Reihe weiterer Projekte in der Untersuchung und Planung.

In der anschließenden Diskussion wurde die bedeutsame Rolle der Stadtwerke beschrieben, die das Umsteuern auch durch neue technische Projekte beschleunigen könnten. Ex-MdB Hermann Haack wies eindringlich darauf hin, dass dieser Umwandlungsprozess nicht gelinge, wenn die Bürgerinnen und Bürger das Gefühl bekämen, sozial einseitig belastet zu werden. Einig waren sich alle, dass zum Überleben des Planeten auf allen Ebenen in nächster Zukunft noch sehr viel zu tun sei.

Willi Hennebrüder (re.) überreicht Apfelsaft von der Streuobstwiese

Die Veranstaltung wurde federführend organisiert vom BUND Lemgo mit Unterstützung der AWO Lemgo und der Lippischen Gesellschaft für Politik und Zeitgeschichte – auch diese Gemeinsamkeit sei ein kleines Zeichen der Hoffnung, betonte Willi Hennebrüder für die Veranstalter. Im Spätsommer soll sich eine Folgeveranstaltung anschließen, in der schwerpunktmäßig die vieldiskutierte Wasserstofftechnologie in den Blick genommen werden soll.

 

Ein besonderer Service für Interessierte, die an der Veranstaltung nicht teilnehmen konnten:

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